- eine Biographie des 17. Jahrhunderts -
Georg Händel gehört gewiß zu den Vaterpersönlichkeiten, deren Einfluß sich die Söhne nicht
völlig entziehen können, auch wenn dieser zuweilen nicht in der direkten und strikten Befolgung von
Anweisungen nachzuweisen ist. Und wenn von der Persönlichkeit Georg Friedrich Händels die Rede ist,
liegt es deshalb nahe, sich auch des Vaters zu erinnern. Darüber hinaus ist nicht gänzlich
auszuschließen, daß dessen Beruf einen gewissen Nachklang auf die Lebensweise, auf das
Gesundheitsbewußtsein bis hin zu einer Selbstindikation des Sohnes gehabt haben könnte. Dies
allerdings gehört weitgehend in den Bereich der Spekulation.
Die Darstellung Georg Händels in einem Porträt von Benjamin Block (1631-1690), überliefert
als Kupferstich von Johann Jacob Sandrart (1655-1698), ist in seiner Aussage wohl als realistisch
anzusehen. Hier begegnet uns ein vom Leben und der Lebenserfahrung geprägtes Antlitz, dessen
Ausdruck Selbstbewußtsein und Lebensweisheit, aber auch einen Hauch von Resignation verrät. Der
Maler hatte eventuell selbst dankbare Gefühle dem Arzt gegenüber, wie wir die Bildunterschrift
deuten können (wurde der ernste Gesichtsausdruck vielleicht vom Künstler gar etwas gemildert?).
"Der Wundarzt Händel war ein Mann von Riesenwuchs: ernst, streng, energisch, ganz der Pflicht
hingegeben, daneben wohltätig und hilfsbereit...
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; so faßt Romain Rolland seinen Eindruck von der Persönlichkeit des Komponistenvaters
zusammen.
Das Gemälde muß vor 1690, dem Todesjahr des Malers, angefertigt worden sein, und nimmt man
die im Bild aufgeführten Titel ("Georg Händel / Fürstl : Sächs : Magd : geheimbter Kammerdiner und
Leib Chirurgus") wörtlich, ist es zwischen 1660 und 1680 entstanden. Das Porträt stellt
wahrscheinlich einen 50- bis 58jährigen Mann dar. In dieser Zeit stand der angesehene hallesche
Bürger Georg Händel im Zenit seines Erfolges.
Über seine Biographie sind wir in einigen wichtigen Punkten durch überlieferte Chroniken,
Urkunden und eine Leichenpredigt verhältnismäßig gut unterrichtet:
Georg Händel wurde als jüngster Sohn des aus Breslau stammenden Kupferschmiedes, des
halleschen Bürgers und Ratsmitgliedes Valentin Händel, und dessen Ehefrau Anna geb. Beichling am
24. September 1622 in Halle geboren. "...Darauff haben ihn ... seine Eltern sorgfältig erzogen /
ihn zur Gottesfurcht und allen Christlichen Tugenden angehalten / und bey zunehmenden Jahren in das
alhiesige Gymnasium gethan..."
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Der hoffnungsvolle Gymnasiast mußte die Schule allerdings bereits mit fünfzehn Jahren
verlassen, weil ihm "sein lieber Vater / bey damaliger Peste mit Tode abgegangen / und es seiner
Mutter als einer Witwen zu schwer fallen wollen / ihn Studiren zu laßen ...
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Dies geschah 1636, in einem besonders schlimmen Jahr für die von den Kämpfen des
Dreißigjährigen Krieges gebeutelte und gezeichnete Saalestadt. Georg wurde nun zu dem "damahls
berühmten" Chirurgen Andreas Beger in die Lehre gegeben, bei dem er diese auch erfolgreich
beendete.
Seine Wandergesellenzeit führte ihn zunächst nach Leipzig, wo er als Feldscher unter dem
Oberst Dietrich von Taube
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in einem "Chur=Sächsischen Regiment etliche Monat rühmlich gedienet. Nach erlangter Dimission
hat er sich entschlossen / frembde Oerter zu besuchen und sich noch weiter in der Welt um zu sehen.
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So kam er nach einem Zwischenaufenthalt in Hamburg nach Lübeck, wo er sein Handwerk bei
seinem Landmann Andreas König, einem "wohlerfahrnen Chirurgo
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vervollkommnete, um sich danach als Schiffsarzt zu verdingen und auf diese Weise
Portugal, wo er u. a. die Städte Lissabon und Setúbal (im Leichensermon als S. Hubes bezeichnet
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) kennenlernte.
Nach diesem Abenteuer gelangte er erneut nach Lübeck in den Dienst von Andreas König. Wenig
später zog er noch einmal ins Feld, diesmal unter Kapitän Bartenstein, der die
Dragoner-Leibkompanie des schwedischen Generals Banér befehligte. Wahrscheinlich im Jahre 1642
kehrte er dann nach Halle zurück. Evtl. hat er vor seiner danach folgenden Eheschließung mit Anna,
der zehn Jahre älteren Witwe des neumarktischen Barbiers Christoph Ettinger, am 20. Februar 1643
für kurze Zeit beim halleschen Leutnant Görlitz Dienst getan.
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Mit der Heirat übernahm der 20jährige Georg Händel auch die Praxis des verstorbenen Barbiers.
Er erwarb in Neumarkt, damals eine außerhalb der Stadtmauern Halles liegende kleine Amtsstadt des
Erzstifts, ein Haus, womit er gleichzeitig "Bürger und Barbier auf dem Neumarkt an Halle
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wurde. Schon zwei Jahre später bestellte man ihn zum Amtschirurgen des etwa fünfzig Dörfer
umfassenden Amtes Giebichenstein. Dies war für den jungen Mann ein beträchtlicher Vertrauensbeweis,
der sicherlich nicht ohne entsprechende Vorleistungen seinerseits erfolgte. Seine ärztliche Kunst
muß damals wohl schon berühmt und unbestritten gewesen sein, denn er wurde zur Heilung eines
doppelten Armbruches des Administrators Herzog August hinzugezogen, der ihn daraufhin zu seinem
Kammerdiener und Leibchirurgus ernannte.
Sechs Jahre später ergab sich die Gelegenheit, in der damals vornehmsten Wohngegend Halles,
nur etwas über 100 m von der Residenz entfernt, ein Haus und die hallische Bürgerschaft zu
erwerben. Er kaufte für 1310 Gulden von der Witwe des verstorbenen Kammerdieners Georg Bley
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das - gemessen an den zu entrichtenden Steuern
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- größte Anwesen dieser Gegend und legte sich kurz darauf mit dem halleschen Magistrat wegen
der Wahrung des Weinschankrechtes dieses Hauses mit dem überlieferten Namen "Zum Gelben Hirschen"
an, wobei er zunächst einen Sieg davontrug. - Übrigens hat er den Weinschank nie selbst betrieben,
sondern einem Pächter, dem halleschen Bürger Augustus Lehmann überlassen. (Und was gewisse
diesbezügliche Ausschmückungen in Lebensbeschreibungen unseres Georg Friedrich Händel betrifft,
bleibt festzustellen, daß dies nur bis 1684, also noch vor dessen Geburt, geschah. Wie immer man
ihn sich den "Ausschank" auch vorstellt, der Knabe hat diesen nicht mehr erlebt.)
Es ist schon sehr imponierend - und erinnert ein wenig an spätere Aktivitäten des Sohnes -,
mit welcher Energie der "wohlbestallte Cammerdiener" nicht nur seinen mannigfaltigen beruflichen
Verpflichtungen, sondern auch den übrigen Tätigkeiten für ersprießliche Nebeneinnahmen zur
Vermehrung des Familieneinkommens, das schließlich auch für sechs Kinder ausreichen mußte, nachkam.
Dazu gehörte beispielsweise eine Landwirtschaft von beachtlichem Ausmaß, die er seit seiner
Neumarkt-Tätigkeit betrieb.
So verlief das Leben des vielbeschäftigten und geachteten Mannes ein Jahrzehnt in geordneten,
ruhigen Bahnen - die sechs Kinder waren inzwischen aus dem Elternhaus ausgezogen. Im Jahre 1680
sollte der Tod Herzog Augusts für Halle und auch für Georg Händel entscheidende Wandlungen bringen.
Das alte Erzbistum Magdeburg fiel gemäß dem Friedensvertrag von Münster und Osnabrück an das
Kurfürstentum Brandenburg, was vor allem den Wegzug des herzoglichen Hofes zur Folge hatte. Georg
Händel büßte all seine Hofämter ein, und auch sein Weinschankprivileg war wieder in Gefahr. Er
wurde deshalb sofort in Potsdam vorstellig, doch der hallische Magistrat wurde ebenfalls tätig. Er
verlangte mittels Einreichung eines Memorials, daß die Angelegenheit durch die kurfürstliche
Regierung geprüft werden sollte. Diese verfügte schließlich, daß beide Parteien einen Vergleich
abzuschließen hätten. Gegen Zahlung von 350 Thalern seitens der Stadt "hat Georg Händel ... sich
seines ... vermeintlich zustehenden alten und neuen Weinschankrechtens ... gänzlich begeben, auch
daß sich dergleichen kein Besitzer solches Hauses in Zukunfft ferner anmaßen solle ..."
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Es ist verständlich, daß sich bei solchen Auseinandersetzungen das Verhältnis zwischen
Magistrat und Händel trübte. Schließlich wurde ihm vorgeworfen, er habe noch zu Lebzeiten des
Herzogs August mit dem Kurfürsten von Brandenburg oder seiner Regierung in Verbindung gestanden und
ausführliche Berichte über das Fortschreiten der Krankheit seines Herrn nach Berlin gesandt.
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(Dies sei nur deshalb erwähnt, weil es auch hier eine Parallele zu seinem Sohn gibt: Georg
Friedrich soll ja bekanntlicherweise von London aus den Hannoveraner Hof u. a. über den
Gesundheitszustand von Königin Anna auf dem laufenden gehalten haben.) Mit mehr Glück war Georg
Händel bemüht, die verlorenen Hofämter zurückzuerhalten. Am 10. Dezember 1680 bekam er den Titel
eine "Kurbrandenburgischen Kammerdieners von Haus aus". Wenn er aus dieser Anstellung auch keine
Einkünfte erzielte, stärkte sie doch seine Position in der Stadt, und sie brachte ihn beim
Kurfürsten in Erinnerung. Dieser gewährte ihm 1682 endlich eine lebenslange Jahrespension von 100
Talern für seine Tätigkeit als Giebichensteiner Amtschirurg und als praktizierender Wundarzt,
dessen Aufgaben im Zusammenhang mit der schweren Pestepedemie, von der Halle in dieser Zeit
heimgesucht wurde, sehr zugenommen hatten. Händel war ausdrücklich verpflichtet worden, "annoch zu
Halle anhaltenden Kontagion als Pestchirurgus nicht allein durch seine Balbiergesellen die
inficierten Patienten besuchen und ihnen hülfliche Hand bieten lassen, sondern auch selbst
denselben mit Rat und That beistehen"
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zu sollen.
Die Pest brachte das gesellschaftliche Leben in Halle völlig zum Erliegen. Eine allgemeine
Flucht aus der Stadt hatte eingesetzt. Die Drachstedtische Chronik berichtet, daß "viele andere
vornehme und geringe Bürger sich anderweit hin salviret haben. Ingleichen ist die soldatesca ins
freye Feld in Paraquen einquartieret worden."
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Auch der hallesche Rat errichtete Notunterkünfte außerhalb der Stadtmauern.
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Georg Händel verlor wie andere Leidensgenossen Freunde und Bekannte und schließlich, am 2.
Oktober 1682, "seine liebe Ehegattin."
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Anfang des Jahres 1683 begann sich die Seuche zu erschöpfen. Mehr als die Hälfte der
Einwohner Halles (5566) waren an ihr zugrunde gegangen. Das öffentliche Leben erholte sich nur
langsam. Erst im April kehrte die Landesregierung in die Stadt zurück.
Georg Händel, inzwischen 61 Jahre alt, mußte, wollte er nicht resignieren, einen Neuanfang
suchen. Am 23. April 1683 ging er mit der 32jährigen Dorothea Taust seine zweite Ehe ein. Sie war
die Tochter des Giebichensteiner Pfarrers, der hier seit 1654 wirkte. In der späteren
Leichenpredigt über Dorothea sprechend, beschreibt J. G. Francke, daß "Dero Herr Vater / als er
einen aufgeweckten Kopf und ein gut Gedächtnis / womit Gott Sie vor vielen andern ihres Geschlechts
begabet ... Sie so wohl im Christenthum vester zu gründen / als auch das H. Bibel=Buch bekannt zu
machen / bemühet war..."
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Nach Schilderung weiterer ihrer Vorzüge erfahren wir, daß sie trotz vieler Bewerber eine Ehe
stets ausgeschlagen hatte, um den verwitweten Vater nicht allein lassen zu müssen. Bei Georg Händel
ist sie offenbar schwach geworden. Und, wie "nun Ehen die auf kein vergängliches Interesse, sondern
vielmehr auf Gleichheit der Gemüther und wahre Tugend gegründet nicht anders als wohl gerathen
können; also auch unsere Seelige mit diesem ihrem Ehe-Herrn bis an den Tag seines Todes...
iederzeit ruhig vergnügt und Christ friedlich gelebet..."
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Der durch das Leben geprüfte alternde Mann erlebte erneut ein häusliches Eheglück, das ihm
half, seinen beruflichen Pflichten wieder voll nachzukommen, was ihm nun anscheinend ungeteilte
Anerkennung einbrachte. Und auch Herzog Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels, Sohn Herzog
Augusts, ernannte ihn am 3. Februar 1688 erneut zum Leibchirurgen und geheimen Kammerdiener
20
. Regelmäßig muß er nun zu Konsultationen an den Weißenfelser Hof reisen, was wegen der
relativ kurzen Distanz und den mit diesem Aufenthalt vermutlich verbundenen Annehmlichkeiten
besonders kultureller Art - wir erinnern uns beispeilsweise, daß die hochstehende hallische Hofoper
1680 dorthin übergesiedelt war - sicherlich von ihm kaum als Belastung empfunden wurde. Auch der
Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, der sich gerade zu einer Huldigung in Halle aufhielt,
bestätigte ihn im Mai 1689 als "Churfürstlich brandenburgischer Cammerdiener und Ambtschirurg von
Giebichenstein"
21
. Noch im Jahre 1692 erregte er mit seiner ärztlichen Kunst weithin großes Aufsehen. Gemeinsam
mit Dr. Wesener, später Stadtphysikus von Halle, der diesen Vorgang ausführlich dem Brandenburger
Hof berichtete, heilte er einen 16jährigen Bauernsohn, der ein Messer verschluckt hatte.
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Georg Händel selbst blieb von Krankheiten nicht verschont. Seit 1689 litt er an
gelegentlichen, aber heftigen Fieberanfällen. "Und ob man wohl an guten Medicamenten und heilsamen
Mitteln nicht ermangeln lassen, deren Er selbsten einen guten Vorath bey der Hand gehabt, man
überdies auch berühmte und hochverständige Medicos, insonderheit aber den hiesigen Stadt-Physicum
(Tit.) Herrn D. Johann Katschen consultiret und gebraucht, haben doch die Medicamente ihren Effect
nicht erreichet, sondern es ist nach Gottes Willen und Wohlgefallen mit Ihm dazu kommen, dass Er
grossen Abgang der Kräfte gespüret und also wohl gemercket, dass sein Stündlein heran nahe."
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Völlig entkräftet, erlag er am 14. Februar 1697 seiner Krankheit und wurde vier Tage später
"mit der ganzen Schule" im Schwibbogen Nr. 60 auf dem Stadtgottesacker beigesetzt.
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"...Im gemeinen Leben hat Er sich gegen Jedermann freundlich / dienstfertig und bescheiden /
auch gegen die armen und Nothleidenden milde und gutthätig erzeiget / und vielen nach seiner Kunst
und Profession mit Rath und That / ohne entgeld
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/ gedienet / dafür Gott seine Frau Witwe / Kinder und sämtliche Angehörige reichlich
segnen wolle..."
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War Georg Händel musikfeindlich, wie aus einigen Anekdoten geschossen wurde?
Der erste Händel-Biograph John Mainwaring berichtete bekanntlich: "Von Kindesbeinen an hatte
dieser Händel eine solche ungemeine Lust zur Musik bezeiget, daß sein Vater, der ihn sonst zum
Juristen bestimmet hatte, darüber in Unruhe gerieth. Als er aber nun merkte, daß dieser Trieb sich
je länger je mehr äusserte, wurden alle Mittel vorgekehret, demselben zu widerstehen. Fürs Erste
verbot er ihm nachdrücklichst, sich mit keinerley Art musikalischer Instrumente abzugeben, ja, es
durfte nichts dergleichen ins Haus kommen, und ihm ward auch nicht einmal zugestanden, irgenwo
hinzugehen, da er so was antreffen konnte."
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Weiter unten heißt es anläßlich der Schilderung der offensichtlich durch den Knaben
erzwungenen Mitreise an den Weißenfelser Hof: "Es begab sich, da der kleine Händel, nach geendigtem
Gottesdienste, sich zum Ausgange auf der Orgel hören ließ, daß der Herzog eben in der Kirche
zugegen war. Die Art zu spielen erweckte seine Aufmerksamkeit dergestalt, daß er, bey der
Wiederkehr aus der Kapelle, seinen Kammerdiener frug, wer es gewesen, der sich auf der Orgel so
wohl gehalten hätte?
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Und an anderer Stelle stellt der Biograph, auf den Weißenfelser Besuch zurückkommend, fest,
Händel habe dort "verschiedene Instrumente und mehr Bewunderer gefunden".
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In den richtigen zeitlichen Zusammenhang gebracht, können diese Aussagen doch nur bedeuten,
daß der Knabe schon frühzeitig intensiven Unterricht genossen hat (und zwar auf verschiedenen
Instrumenten) sonst hätte er wohl kaum die Bewunderung des musikliebenden und musikgebildeten
Herzogs Adolf erlangen können. Dieser konnte ja den Orgelspieler auf der Empore nicht sehen, wie
jeder weiß, der die Weißenfelser Hofkapelle kennt. Die Vermutung liegt nahe, daß das Kind in
seiner Musikbegeisterung kein Maß kannte, so daß der Vater sowohl wegen seiner beruflichen
Vorstellungen für seinen Sohn wie eventuell auch als Arzt (um die Gesundheit des Knaben) in Sorge
geriet. Für den Vater und gegen dessen angebliche Abneigung gegenüber Musik spricht auch die
Tatsache, daß er den Sohn schließlich doch in die Hände des damals besten hallischen Musikers und
Musikpädagogen, Friedrich Wilhelm Zachow, gegeben hat. Darüber hinaus ist ja bekannt, daß "Herr
Georg Hendel, Fürstl Kammerdiener" mit Herrn "Christian Ritter, Musikant...und ... Herrn David
Pohle",
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Hofkapellmeister, eine enge Freundschaft pflegte, die keineswegs auf dem Nährboden einer
Musikfeindlichkeit erwachsen sein konnte.
Anmerkungen
1. Rolland, Romain: Händel / Dt. v. L. Langnese-Hug. - Berlin : Rütten &
Loening, 1954. - S. 7-8.
2. Olearius, Johann Christian: Die Gnädige Zulage Zu dem Lebens=Ziel der Frommen
Welche Als der Leichnam Tit. Herrn George Händels ... Den 18. Februarii 1697. in seine Ruhe=Kammer
gebracht werden solte Denen hinterbliebenen Hochbetrübten zum Trost in dem Trauer=Hause
Vorstellete... - Zit. nach Händel-Handbuch Band 4 : Dokumente zu Leben und Schaffen / ... hrsg. von
der Editionsleitung der Hallischen Händel-Ausgabe. - Leipzig : Dt. Verl. für Musik, 1985. - S. 13.
3. Olearius a. a. O., S. 13.
4. Siehe Opel, Julius Otto : Mitteilungen zur Geschichte der Familie des
Tonkünstlers Händel nebst einigen sich auf den letzteren beziehenden Briefen. -
5. In: Neue Mitteilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen /
... Hrsg. von ... J. O. Opel ... - Band XVII, 1. - Halle : In Commission bei Eduard Anton, 1885. -
S. 13.
6. Olearius a. a. O., S. 13.
7. Olearius a. a. O., S. 17.
8. Das "Pascheweische Regiment", vom dem im Leichensermon die Rede ist, ließ sich
bisher allerdings nicht nachweisen.
9. Händel-Handbuch a. a. O., S. 15.
10. Kaufvertrag vom 30.6.1666. - Im Wortlaut abgedruckt u. a. in: Werner, Edwin:
Das Händel-Haus in Halle ... - Halle : Händel-Haus, 1992. - S. 85-86.
11. vgl. Opel: Mitteilungen..., a. a. O., S. 4.
12. Zit. nach Piechocki, Werner: Die Familie Händel in der Stadt Halle : II. Der
Wundarzt Georg Händel (1622-1697). - In: Händel-Jahrbuch (1990), S. 208.
13. Vgl. Opel a. a. O., S. 74.
14. Vgl. Opel, Julius Otto: Zur zweihundertjährigen Geburtstagsfeier Georg
Friedrich Händels : II. Der Kammerdiener Georg Händel und sein Sohn Georg Friedrich. - In:
Zeitschrift für allgemeine Geschichte. - Stuttgart (1885), S. 75.
15. Drachstädtische Chronik. - Zit. nach Piechocki ... a. a. o., S. 208.
16. Eine ausführlichere Beschreibung der damaligen Not gibt uns Werner Piechocki
in dem bereits zitierten Aufsatz, der auch über die Gründung einer Pestgesellschaft informiert, der
Georg Händel angehörte. - Siehe in: Piechocki..., a. a. O., S. 201-221, besonders S. 208-211.
17. Olearius, a. a. O., S. 13.
18. Francke, Johann Georg: Die Wohltaten, welche Gott, durch einen seligen Tod, an
seinen Gläubigen thut... Frau Dorotheen Taustin, Des Weiland Wol=Edlen und Wolfürnehmen Herrn,
Herrn George Händels... Hinterlassenen Frau Witwe... Gehaltenen Leichen=Sermon... - Halle : Druckts
Hohann Brunert, Universitäts- und Raths-Buchdrucker, 1730. - Zit. nach Händel-Handbuch Band 4, S.
185.
19. Francke a. a. O, S. 186.
20. Weißenfelser Archiv 10134. - Loc. 12001. - am 29.8.1869 mitgeteilt von dem
Sondershausener Oberlehrer Dr. Spitta in: AMZ 4(1869), S. 286.
21. s. Händel-Handbuch a. a. O., S. 10.
22. Dieser Bericht findet sich u. a. in Dreyhaupt, a. a. O., S. 646 f. sowie
Anhang, Tabula III, 2 u. 3. - Vgl. Händel-Handbuch a. a. O., S. 11.
23. Olearius a. a. O., S. 14.
24. Todten-Register der Marktkirche v. J. 1677 bis 1716. - Das Grabgewölbe ging
1814 in fremden Besitz über. - Vgl. Händel-Handbuch a. a. O., S. 16.
25. Hervorhebung durch den Verfasser
26. Olearius a. a. O., S. 14.
27. Mainwaring, John: Georg Friedrich Händels Lebensbeschreibung ... / übersetzt
... vom Legations-Rath Mattheson. - Hamburg 1761. - Faksimileausgabe. - Leipzig : Deutscher Verlag
für Musik, 1976. - S. 3.
28. ebenda, S. 5-6.
29. ebenda, S. 11.
30. Vgl. Hünicken, Rolf: Ahnentafel und Ahnenverwandtschaftstafel Georg Friedrich
Händels. -In: Hünicken/Serauky: Abstammung und Jugendwelt. - Halle 1936. - S. 19.