Die Festspiele seit 1952 (mit denen übrigens erst seit 1961 rückwirkend eine neue Zählung
begonnen wurde) veranstaltete dann offiziell die Stadt Halle, die die notwendigen finanziellen
Mittel (ca. 250.000,- DM) vom Land Sachsen-Anhalt erhielt. -
Das entsprach etwa der Summe, die den Festspielen auch heute aus öffentlichen Mitteln als
Zuschuss zur Verfügung steht. Charakteristisch für die Geschichte der mehr als 50 Händel-Festspiele
in Halle seit 1952 wurde die (bereits 1922 begonnene) konsequente Integration regionaltypischer
Elemente:
Zum einen wurden für die Programmgestaltung sehr häufig konzeptionelle Bezugspunkte zur
reichen mitteldeutschen Musiktradition und zuweilen auch zu anderen bedeutenden
kulturgeschichtlichen Anlässen gesucht.
Zum Anderen wurde aus ursprünglicher “Not” eine Tugend, indem städtische oder in der Region
angesiedelte künstlerische Kräfte ganz wesentlich zur Realisierung der anspruchsvollen Programme
herangezogen wurden und so die Möglichkeit einer zielgerichteten Entwicklung bekamen, die in vielen
Fällen zu einem künstlerischen Niveau führte, das sich mit dem der eingeladenen internationalen
Gäste durchaus messen konnte.
Letzteres ist insofern von besonderer perspektivischer Bedeutung, als sich bestimmte
Musikfestspiele einem stärker werdenden Spezialisierungsdruck ausgesetzt sehen, der andernorts, wo
es weniger stark entwickelte eigene künstlerische Potenzen gibt, teilweise dazu führt, dass immer
häufiger die gleichen Spezialensembles mit mehr oder weniger auswechselbaren Programmen engagiert
werden, was bedeutenden Festspielen eigener Unverwechselbarkeit den Boden abgräbt. Eine solche
Gefahr scheint in Halle mittelfristig gebannt u. a. dank einer sehr konsequenten konzeptionellen
Ausrichtung beispielsweise des OPERNHAUSES HALLE mit seinen Ensembles (besonders des auf originalen
Instrumenten musizierenden Händelfestspielorchesters), aber auch dank bewusster Förderung solcher
Entwicklungstendenzen durch die maßgeblichen für die Händel-Festspiele verantwortlichen städtischen
Gremien.


